Das verlassene Hotel am See

Zwischen bayrischer Rustikalität und Plüsch

Wenn man in einen Lost Place wie dieses verlassenes Hotel kommt und so ziemlich das ganze Interieur noch vorhanden ist, finde ich es immer sehr befremdlich. Erst recht, wenn die Betten inklusive Matratzen in so gutem Zustand sind, dass man versucht ist, sich hinein zu kuscheln. Dieses Hotel bestand ineressanterweise aus zwei Gebäudeteilen: einem großen, alten Holzbau und einem angebauten Neubau-Trakt. Besonders spannend ist es natürlich, wenn man noch irgendwelche Überbleibsel findet. Vielleicht kennt der eine oder andere es von sich selbst, dieses Vergessen von eigentlich selbstverständlichen Dingen in Hotels, wie z.B eine Zahnbürste. Genau eben solche Zahnbürste fand ich im ersten Badezimmer. Umso schräger das Gefühl, welches mich in dem Moment beschlich, da ich natürlich grinsend der Versuchung widerstehen mußte, zuzugreifen, um mein bisheriges selbst vergessenes Sortiment vergangener Reisen wieder aufzufüllen. Schleierhaft ist und bleibt mir allerdings, wieso eine komplette Einrichtung nach Aufgeben des Hotels dort verbleibt. Warum hatte man nichts verkauft oder einem guten Zweck zugute kommen lassen? Nun ja, aus meiner Sicht als Fotografin ist es mir nur lieb und billig…

Ein verlassenes Hotel mit komplettem Interieur

Das Nebengebäude

Zugegeben, das Nebengebäude hinter dem Hauptgebäude aus Holz war doch arg in Mittleidenschaft der Verwitterung geraten. Schimmel lag wie ein weißer Schneehauch auf der Holz-Kommode und dem Teppich, in der Luft hingen Schimmelsporen dicht wie Birkenpollen. Der ganze Bau war verrottet, die Räume und Treppenstufen vermodert, alles vergammelte förmlich.

Im hölzernen Hauptgebäude

Das Haupthaus des verlassenen Hotels hielt hübsche Überraschungen bereit. Die Räume waren den Umständen entsprechend gut erhalten. Ein paar Spinnenweben hier, etwas Schimmel dort. Aber ich habe schon Schlimmeres gesehen! Die Küche hielt genügend Utensilien bereit, um sofort ein paar Pommes mit Bockwurst auf den Teller zu bringen, den man in seltsam unpassender bayrischer Anmutung in der Frühstücks-Ecke servieren könnte. Die erste Etage des alten Hotels versprach ruhige Stimmung in den schlichten Zimmern. Die roten und blauen Vorhänge verströmten einen eigenartigen Hauch von leicht verruchtem Touch. Ich wurde das Bild nicht los, dass diese ansonsten leeren Räume ein guter Drehort für einen Film von David Lynch bieten würden. Trotz der Ruhe hing gleichzeitig eine dunkle Spannung in der Luft, als würde man im nächsten Augenblick aus einem unangenehmen Traum aufwachen. Ich hatte Szenen aus dem Film “Lost Highway” vor Augen, lauschte ins Nichts und entschied mich für einen Blick ins Obergeschoss. Das präsentierte mir tatsächlich den Gipfel der Absurdität: ein großes Badezimmer mit Plüsch ausgekleidet. Mal ehrlich, kuschelig hin oder her, aber der feuchteste Raum jedes Hauses sollte doch alles andere als ein Nährboden für feuchtigkeitsliebende Elemente sein. Zusätzlich waren die Türen und Wände nicht mal blickdicht. Was für ein unbegreifliches Konzept. Aber vielleicht war das auch die Vip-Suite, bei der man gleich das komplette Dachgeschoss des Hotels für sich hatte. Wäre mal interessant, zu erfahren. Insgesamt besonders angenehm war die geringe Zerstörung und kein Graffiti. Das gibt es heutzutage, wo urbex quasi “in mode” gekommen ist, kaum noch.

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