Lost Place: die Johanniterheilstätte

Versteckt und tief im Wald zwischen hohen Tannen steht das langgestreckte, weiße Gebäude der ehemaligen Heilstätte der Johanniter. Es gehören mehrere kleine Wohnhäuser dazu, die zu DDR-Zeiten von den höher Gestellten genutzt wurden. Was diese ehemalige Lungenheilstätte so Besonders macht, ist ihr doppelter Charme zwischen gruselig und idyllisch. Die Außenarchitektur wirkt durch die schlichten Linien der glatten Wände mit den hohen Fenstern und dem Granitstein schon irgendwie erdrückend, vielleicht sogar ein bißchen bedrohlich. Es gibt bis auf ein Stuckelement keinerlei Verzierungen oder Elemente, die dem Bau etwas Leichtigkeit verschaffen würden. Ganz im Gegenteil: das dunkle Dach und der Vorbau aus dunklem Holz am Eingang geben dem ansonsten fast komplett in weiß gestrichenem Gebäude fast schon einen tristen schwarz-weiß-Anblick. Im Inneren ist man umso überraschter, da die großen Fenster viel Licht einlassen und die verzierten Geländer und die Flügeltüren dem Gebäude doch noch die nötige Kleinigkeit an Nettigkeit geben. Durch ihre Lage auf dem Ochsenberg ist die Johanniter-Heilstätte wunderbar still in die Natur eingebettet. Die großzügigen Räume mit großen Fenstern sowie den offenen Terassenbereichen gaben ihr einen für die damalige Zeit modernen und fortschrittlichen Charakter. Erst recht durch die Ausstattung. Das anfangs nur für Frauen gedachte Sanatorium wurde unter der Leitung des damaligen Chefarztes Hans Pigger technisch aufgerüstet und verfügte dann als einer der ersten Heilstätten über Röntgen- und Pneumothorax-Apparate. Die Reste der Befestigungen der Apparate sowie die schwarzen Jalousien und Entkleidungsräume sind noch vorhanden. Ebenfalls ganz weit vorn lag die Heilstätte in Sachen Heilungstherapien. 1909 führte Chefarzt Pigger als einer der ersten in Deutschland die Lungenkollapstherapie ein. Die Verbesserung von hygienischen Verhältnissen führte zu einem allgemeinen Rückgang von TBC-Lungenerkrankungen. Somit wurden 1951 die letzten Lungen-OPs durchgeführt und für den Kurbetrieb aufgrund rückläufiger Belegungen der Betten ab 1962 auch Männer aufgenommen. Die Bezirksregierung Magdeburg entzog 1967 der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen die Nutzund der Heilstätte. Sie wurde fortan bis zur Wende von der NVA als Kurort weitergeführt. Nach der Wende konnten keine angedachten Nutzungspläne umgesetzt werden, sodass die ehemalige Johanniter-Heilstätte seit 1992 leer steht.

(Gleich vorweg: bis Anfang letzten Jahres konnte man noch über den Kontakt zum Schlittenhunde-und LostPlaces-Erlebniscamp eine Führung mitmachen und danach allein so lange man wollte fotografieren. Das ist nun leider nicht mehr möglich, da der Pächter und Beaufsichtigende, Jens, verstorben ist. Das Betreten des Geländes ist strikt verboten, der Berg ist nach wie vor bewohnt. Bei Zuwiderhandung erfolgt Verhaftung durch die Polizei.)

Mehr Hintergrund-Information zur Geschichte findet man hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Johanniter-Heilst%C3%A4tte_Sorge

urbexrebellin Verfasst von:

2 Kommentare

  1. 03/02/2020
    Antworten

    Hallo Frauke, das sind so schöne Einblicke in die Heilstätte Sorge! Ich werde ein bisschen traurig, wenn ich daran denke, was mit Jens passiert ist – er hatte dort so einen wunderbaren Ort geschaffen!
    Viele Grüße aus dem Wald! Lisa

    • urbexrebellin
      04/02/2020
      Antworten

      Hallo Lisa,
      erstmal: daaaankeschöön 🙂 , das freut mich sehr!!
      Ja, es ist unglaublich, dass Jens ausgerechnet auf so tragische Weise aus dem Leben geschieden ist! Man kann nur hoffen, dass die dort weiterhin Wohnenden in Ruhe gelassen werden und sie durchhalten, diese tolle Heilstätte vor Vandalismus und Massenauflauf zu bewahren!
      Liebe Grüße, Frauke

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