Die Villa “Dr. Snuggles”

Die Villa “Dr. Snuggles”

Ich habe Dr. Snuggles noch nie gesehen und weiß auch gar nicht, wer oder was das ist. Die Namen von Lost Places haben eigentlich immer einen Zusammenhang mit dem Objekt. Irgendwo habe ich mal etwas mit “ehemaliges Kinderheim” aufgeschnappt, sodass meine Vermutung zu Doktor Snuggles in Richtung Kinderarzt geht – weit gefehlt. Google spuckt mir für “Dr. Snuggles” die Figur eines optimistischen Erfinder und Weltverbesserer einer Zeichentrickserie aus, was mich eher verwirrt als aufklärt. Die verlassene Villa sieht nicht gerade nach Erfinder-Labor aus. Mit Erfindungen verbinde ich auch eher Daniel Düsentrieb, was natürlich an meinem Jahrgang liegt. Aber das hilft mir auch nicht weiter. Meine Recherchen bringen mir ebenfalls keine Erkenntnisse zu der früheren Nutzung der Villa und ihres Urbex-Namen.

Ich bin also höchst gespannt, als ich ins Haus schlüpfe und stelle mich innerlich schon darauf ein, dass es jeden Moment “puff” macht und ich entweder in einer verzauberten Welt für Kinder lande oder Dr. Snuggles in einer Rauchwolke vor mir steht. Vielleicht liegt ja genau hier das Geheimnis: der Erfinder Dr. Snuggles hat eine Erfindung erfunden, welche Kinder in eine Kinderserie “hinein pufft”. Gegen das rauchende Erscheinen des Doktors hätte ich nichts, wohl aber gegen das versetzen in eine Zeichentrickserie. Ich achte also genau auf meine Schritte und lausche angestrengt, als ich die Kellertreppe hoch schleiche.

Wie ein ehemaliges Kinderheim kommt mir die verlassene Villa schonmal nicht vor. Es gibt zwar einen großen, gefließten Raum, der als Küche gedient haben könnte. Mir fehlt es aber an sanitären Einrichtungen für Kinder, also niedrig gesetzte kleine Waschbecken und Toiletten, wie ich sie beispielsweise in der verlassenen Villa Fuchs vorfand. Und was das Thema Erfindungszauber angeht, stelle ich ernüchternd fest, dass weder die verlassene Villa selbst noch ihre hölzerne Eingangshalle das Ergebnis einer weltverbessernden Erfindung sind. Es “pufft” auch nicht. Langweilig.

Die wunderschöne Innenausstattung ist aber dennoch ein ganz eigenes Highlight für sich: mal abgesehen davon, dass es keine Graffiti-Beschmierungen und keinen Vandalismus gibt, läßt die Eingangshalle mit Holzvertäfelung und Holztreppengeländer nichts zu wünschen übrig. Man kann oben sogar auf eine kleine Ballustrade gehen und in die Halle schauen. Der Blick nach oben zeigt aber auch ein großes Loch an der Seite der bemalten Stuckdecke, was keine gute Vorraussetzung für die Langlebigkeit dieser verlassenen Villa ist. Die blauen Plastikplanen vor den kaputten Fenstern weisen Risse auf und bieten daher nur halbherzigen Schutz vor eindringender Feuchtigkeit. Es wäre überaus schade, wenn sich niemand findet, der diese verlassene Villa in seine Obhut nimmt.

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