Die verlassene Villa am Roeseschen Hölzchen

Die verlassene Villa am Roeseschen Hölzchen

Eine verlassene Villa auf einem Hügel ohne Zufahrt

Die 1888 erbaute Villa steht verlassen am Hang des Roeseschen Hölzchen, eingebettet in überwuchernder Vegetation. Das Roesesche Hölzchen (benannt nach seinem ursprünglichen Besitzer, dem Eisenacher Kaufmann Christian Friedrich Roese) ist ein nettes bewaldetes Parkgebiet am westlichen Altstadtrand von Eisenach, dass sich vom Friedhof am Schindersberg bis zum Metilstein gegenüber der Wartburg erstreckt. Obwohl die verlassene Villa aus Fachwerk stark einsturzgefährdet ist, steht sie unter Denkmalschutz (Stand Sommer 2020). Die Bauverwaltung der Stadt Eisenach hat es in der Vergangenheit durch Ablehnung verschiedener Bauvorhaben bis heute schwierig gemacht, die alte Villa zu retten. Ein Grund ist die seit Erbauung fehlende Zufahrt zur Villa, für die heute die Besitzer der Nachbargrundstücke zustimmen müssten. Doch ohne Zufahrt keine Sanierung als Wohnobjekt.

Über die fehlende Zufahrt habe ich mir gar nicht so richtig Gedanken gemacht, da ich der verlassenen Villa eh möglichst ungesehen einen Besuch abstatten wollte. Ich rolle das Feld bzw in diesem Fall den Hügel also von hinten auf. Die Vegetation ist so dicht und hoch, dass ich die alte Villa gar nicht sofort sehe. Sie steht eigentlich nur ein bisschen unterhalb des Hügel-Hangs, das erscheint mir auf den ersten Eindruck machbar. Ich puhle mich also durch das dichte Gebüsch mit allen möglichen Pflanzenarten, bis ich eine geeignete schmale Stelle zum Abstieg finde. An dieser Stelle ist der Hang optische 60° steil, aber die dichte Vegetation bietet mir keine andere Wahl. Es herrscht staubtrockene Hitze, der Boden des Hangs ist entsprechend sandig und damit rutschig. “Das wird schwierig”, weiß ich aus Erfahrung mit Hängen und sandigen Böden. Aber was will man machen – also los. Ich versuche es rückwärts. Schon bei den ersten drei Schritten gerate ich ins Rutschen. Meine Füße heben ab und mein Gesicht saust dem Sandboden entgegen. Schnell mache ich einen Ausfallschritt hoch und greife hektisch nach dem erstbesten zum festhalten. Ich erwische ein Grasbüschel, das ich sofort in der Hand habe. Die verdörrten Büschel fluppen bei meinen Griffen aus der Erde als wäre sie Wüstensand. Ein kleiner Ast schafft mir eine Verschnaufpause. “Vielleicht sollte ich einfach im stehen abwärts rutschen”, denke ich kurz, “aber nee, nachher klatsche ich mit voller Wucht gehen die Hauswand. Oder war da unten ein Fenster offen? Rutschend ins Haus geflogen, haha.” Doof. Schon erstaunlich, was man alles so denken kann in einer Sekunde. Ich richte mich wackelig auf und suche die nächste Schrittmöglichkeit. Da hält mich etwas am T-Shirt-Ärmel fest. Ein Brombeerbusch. Wie ich diese Dinger liebe! Ich drehe mich zum Busch, um die Dornen zu lösen, wobei meine Füße wieder ins Rutschen geraten, und ein Hosenbein sich ebenfalls in einem weiteren Brombeerbusch verfängt. “Also das wird jetzt echt blöd”, denke ich, “wenn ich wieder abrutsche, hänge ich mit allen Vieren in diesen verflixten Büschen!” So muss sich Wäsche auf der Leine fühlen. Mir ist klar, ich muss mich befreien. Mir ist auch klar, dass ich wieder Rutschen werde. Andererseits bleibe ich eh wieder in einem Busch hängen. Ein Wechselspiel. Wie lange ich für diesen kleinen aber steilen Hang gebraucht habe, weiß ich nicht, ich weiß aber, dass ich mir danach die Zunge um den Hals wickeln konnte…

Natürlich bietet diese verlassene Villa keine architektonischen Highlights und kein überragendes Innenleben. Dennoch fand ich ein paar Motive, die einfach durch das Licht interessant sind. Und wie immer gehören bestimmte Aufnahmen aus dokumentarischer Sicht dazu.


https://de.wikipedia.org/wiki/Roesesches_H%C3%B6lzchen

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