Die verlassene Sophienheilstätte im Wald

Die verlassene Sophienheilstätte im Wald

Diese verlassene Heilstätte steht ungenutzt in einem kleinen Waldstück in Thüringen und verfällt, ohne Aussicht auf Erhalt.

Die Zeiten von Lungenheilstätten und Sanatorien sind lange vorbei. Die meisten vegetieren verlassen ihrem Verfall entgegen. Die alte Sophienheilstätte steht seit 1994 verlassen im Wald, kein Käufer in Sicht. Eine Sanierung wäre ein astronomisch hoher Kostenfall. Die Geschichte hinter der ehemaligen Sophienheilstätte ist dennoch wirklich interessant:

Die Gründung der Sophienheilstätte geht zurück in die Zeit, als die Lungenkrankheit Tuberkulose – auch bekannt als Schwindsucht – in Deutschland und der Welt viele Todesopfer forderte. Bedingt durch schlechte hygienische und soziale Verhältnisse, vor allem in der Arbeiterschicht, konnte sich die TBC durch Tröpfcheninfektion schnell verbreiten. Die Medizin hatte zu der Zeit noch keine Mittel, die Lungenkrankheit zu bekämpfen. Statt dessen setzte man auf Frischluftkuren, so auch in Bad Berka. 1888 wurden Hängematten in Holzbaracken als sog. “Waldschlafstätten” am Stadtrand von Berka, auf der Harth, aufgebaut. Das Konzept sprach sich schnell herum und ließ die Kranken in Massen anströmen. Die Bevölkerung vom Kurort Berka wehrte sich gegen diesen Zulauf, sodass schließlich 1898 ein gutes Stück entfernt beim Rittergut München die Sophienheilstätte als zweistöckiger Pavillonbau mit Liegehalle für Anfangs max. 80 Patienten in Betrieb genommen wurde. Hier setzte man neben Hygiene ebenfalls auf Frischluft-Liegekuren, dazu Waldspaziergänge und gesunde Ernährung. Die Heilstätte lief anfangs als Einrichtung des “Patriotischen Institutes der Frauenvereine für das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach” und Zweiganstalt des Sophienhauses in Weimar. Dahinter standen Frauenhilfsvereine und Damenkomitees, die sich im 19. Jahrhundert vermehrt mit dem Ziel gründeten, bei medizinischer Pflege und Sozialfürsorge zu unterstützen.

Der Name der Sophienheilstätte entstammt von der damaligen Großherzogin Sophie von Sachsen-Weimar-Eisenach. Die Behandlungskosten wurden von der Thüringischen Alters- und Invalidenversicherung bezahlt. Im Jahre 1904 übernahm die Landesversicherungsanstalt Thüringen die Sophienheilstätte. Die hohe Zahl an Kranken führte 1911-1912 zu einem Aufstocken des Fackwerkbaus auf 4 Etagen für bis zu 200 Betten und weiteren Liegehallen und damit zu ihrem heutigen Aussehen. Schnell entwickelten sich die medizinischen Methoden zur Behandlung von TBC weiter, sodass erste chirurgische Behandlungsmaßnahmen dazu kamen. Ebenfalls versuchte man die Heilung durch Ruhigstellung der Lunge mit einer sogenannten »Gasbrust« (Pneumothorax) zu unterstützen. Es kamen Röntgenapparate und weitere medizinische Mittel hinzu. Sowohl der erste als auch der zweite Weltkrieg brachten finanzielle Schwierigkeiten im Betrieb der Heilstätte mit sich. Zu erwähnen sei auch, dass sich der Unmut der Einwohner von bad Berka nie wirklich gelegt hatte, da die Verunsicherung der Bevölkerung gegenüber TBC zu diversen Rückgängen der Badegäste im Hotel- und Kureinrichtungsbetrieb von Bad Berka führte.

Der medizinische Fortschritt mittels Antibiotika und chirurgischen Eingriffen machte in Deutschland die meisten Lungenheilstätten überflüssig, so auch im Fall der Sophienheilstätte. Die Auslagerung von Orthopädie und Urologie in das Gebäude der Sophienheilstätte konnte nur eine zeitlang den Betrieb retten, bis schließlich 1994 der Betrieb als Heilstätte und Krankenhaus gänzlich eingestellt wurde.


weblinks: https://www.zentralklinik.de/fileadmin/FILES/bad_berka/Dokumente/History/ZBB_Ausstellung_Entwicklung.pdf

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