Das verlassene Gasthaus „Glühlampen“

Das verlassene Gasthaus „Glühlampen“

Ich musste schon sehr genau auf der Karte gucken, um dieses verlassene Gasthaus mit Tanzsaal „Glühlampen“ als solches zu erkennen. Ohne meinen vorher herausgefundenen Hinweis hätte ich den recht kleinen Lost Place für ein altes Wohnhaus gehalten. Selbst als ich nach langer Fahrt über zig Dörfer und Käffer in diesem Ort ankomme, sehe ich keine typischen Anzeichen für ein Gasthaus. Es steht noch nicht einmal außen etwas am Haus. Ganz seltsam. Oder einfach ganz alt. Da in diesem Dörfchen der Hund begraben scheint, parke ich lieber „Jot-Weh-Deh“. Aus den Augenwinkeln sehe ich sie ein paar Meter weiter dann doch: die Lebendigkeit in Form einer im Garten sitzenden Frau. Sie hat ihren Stuhl Richtung Straße ausgerichtet. Hätte ich auch gemacht, denn selbst Vögel lassen sich nicht blicken, also nix zum Gucken oder beobachten. Die Straße als Unterhaltungsprogramm. Kommt vor. Auch wenn ich weiß, dass ich nun natürlich 100-prozentig gesehen und registriert werde, dackele ich mit Kamera und Stativ an ihr vorbei. Ein kurzer Gruß ‚rüber geworfen. Ich bin ja höflich. Und vielleicht werde ich dadurch uninteressanter, denn Höflichkeit stimmt milde. So ist zumindest meine Überlegung. Trotz des herrlichen Wetters ist niemand sonst zu sehen. Ist mir nur recht, da ich vorn durch ein Kellerfenster klettern will. Das liegt zwar hinter einer Hecke sichtgeschützt, aber bei Publikumsverkehr wäre es nicht gegangen. Was gleich nach Publikum kommt sind bellende Hunde. Ich hatte mich gerade vor das Fenster gehockt, als der Vierbeiner von gegenüber der Meinung ist, Aufmerksamkeit zu fordern. Es ließ sich aber niemand blicken – ich war eh flott drin. Günstigerweise hatte jemand aus leeren Flaschenkisten eine Reihe Trittfelder gebaut, denn der ganze Keller stand unter Wasser. Ich nehem an, dass es durch den Badewannenraum durchgesickert ist, denn hier ist das Dach erheblich kaputt.

Die Bühne im kleinen Tanzsaal ist überraschend klein, aber mit ihren Glühlampen wirklich etwas Besonderes. Sie wirkt wie das Fenster eines Puppentheaters. Üblicherweise hat jede Bühne eine Treppe vorn und ist etwa doppelt so groß. Ein Blick hinter die Kulissen in die hinteren Räumlichkeiten lässt erkennen, dass es sich bei diesem Gebäude um ein sehr altes Bauwerk von vielleicht Anfang des 20.Jahrhunderts handeln muss, da es noch Außentoiletten hat.