
Das verlassene Ferienlager in Friedrichsbrunn
Das ehemalige Betriebsferienlager „Erich Weinert“ der BUNA-Werke hat zu DDR-Zeiten tausende Kinder beherbergt
Das Gelände des verlassenen Ferienlagers „Erich Weinert“ der BUNA-Werke aus DDR-Zeiten ist wirklich groß. Mit insgesamt 50 Unterkunftsgebäuden – davon 7 Bettenhäuser und 43 Bungalows – ein Areal, dass pro Sommer-Saison rund 2400 Kinder aufnahm. Bereits 1949 wurde das Ferienlager unter dem Namen „Martin Andersen Nexö“ als Pionierlager gebaut. 1953 wurde das komplette Gelände von der VEB Chemische Werke Buna übernommen und finanziert. Der riesige Speisesaal war allerdings das letzte Bauwerk und wurde erst zum Ende der DDR fertig. Bis dahin mussten die Kinder die 110-Stufen lange „Hungertreppe“, wie sie sie nannten, hochlaufen zum alten Sozialgebäude. Aber auch, wenn sie einfach nur etwas Trinken wollten, musste die Treppe Schluck für Schluck erklommen werden. Inwieweit also in diesem ehemaligen Betriebsferienlager eine Erholung im Sinne von Ferien herauskam, kann ich mir nicht so richtig vorstellen – aber ich kann es auch nicht beurteilen.
Bei meinem Besuch des verlassenen Betriebsferienlagers weiß ich schon vorher, dass der Zustand von diesem Lost Place gelitten hat. Zum einen durch den Verfall des Leerstandes, zum anderen durch Vandalismus. Verfall als solches ist kein Drama, es bietet mir ja Motive. Vandalismus nicht. Doch ich bin eigentlich etwas positiv überrascht. Zwar sind viele Räume kaputt gemacht worden, aber ich habe Schlimmeres gesehen und viel besser: es gibt kein Graffiti-Geschmiere. Damit finde ich noch schöne Spuren und Farben von natürlichem Verfall.
Mir geht es bei diesem Lost Place um ein bestimmtes Motiv: den Speisesaal mit den langen, rot-pinken Vorhängen und den baumelnden Deckenplatten. Bei vielen verlassenen Orten in der ehemaligen DDR ist mir aufgefallen, dass diese DDR-Mock-Platten so ziemlich als erstes den Geist – oder vielmehr den Halt – aufgeben. Warum auch immer. Aus fotografischer Sicht finde es gut, denn es unterstreicht so gut den voranschreitenden Zerfall eines Lost Place.
Während ich mich mit meinem Stativ gerade in Position begebe, höre ich Stimmen und Schritte draussen. Fünf Jungendliche kommen angeströmt – Basecap auf, Bierdose in der Hand. Ich trete etwas in den dunkleren Bereich zurück. Nicht, weil ich Angst habe, sondern keinen Bock auf eine Begegnung. Ich möchte in Ruhe diesen Ort erkunden. Die Gruppe geht zielstrebig weiter in eines der Wohnblöcke. Kurze Zeit später kommen sie zurück und verschwinden. Kein Krawall, keine Zerstörungsgeräusche, kein Sprayen. Seltenheitswert. „Kommt gerne wieder“. Ich genieße allein die Lichtstimmung der untergehenden Sonne und behalte meinen Besuch als „toll“ in Erinnerung.














































https://de.wikipedia.org/wiki/Betriebsferienlager_in_der_DDR