Weggebaggert – das Hotel HH

Eigentlich lag es nur an einem defekten Dach, durch das die Feuchtigkeit eindrang. Fehlendes Geld und damit die fehlende notwendige Reparatur machten dieses ehemalige Hotel leider unbewohnbar. Es muss mal schön gewesen sein, die Lage zumindest versprach Ruhe und einen guten Ausgangspunkt für Wanderungen durch das Naturerholungsgebiet, die Hotelzimmer klein, aber fein. Doch nach Grenzöffnung gab es wohl nicht genug interessierte Urlauber, die eine Investition in die Renovierung dieses Hauses lohnenswert gemacht hätten. Und letztendlich hatten wohl auch Entscheidungsträger der Stadt bereits neue Wohnprojekte vor Augen, statt einer Sanierung.

Somit stand bereits der Bagger auf dem Gelände, ein Seitenanbau und Teile der Rückseite waren schon eingekracht. Ob das nun durch den Bagger kam oder natürlicher Witterungszusammenbruch war ließ sich nicht genau erkennen. ein Zugang schien schwierig und nicht ungefährlich, doch ein offen stehendes Fenster auf der Rückseite und meine gute Beweglichkeit brachten guten Einlass. Recht schnell kann ich erkennen, dass die eingedrungene Feuchtigkeit der Hauptverursacher des desolaten Zustandes ist. Herab geblätterte Tapeten, abgebröckelter Putz und gelöste Holzpanelen bieten zwar ein Bild des Verfalls, die rabiate Zerstörung, wie sie in bekannten Lost Places vorherrscht, hält sich hier aber in Grenzen. Ein kaputtes Bett, durchwühlte Schränke – es gibt Schlimmeres. Viel Inventar ist nicht übrig geblieben. Etwas von dem schön-schrecklichen Ambiente kann ich aber tatsächlich noch finden. Die wenigen verbliebenen Möbel wirken auf mich schon irgendwie schräg, denn sie sehen zwar nach 70ger-Style aus, aber mit für mich unbekanntem DDR-Touch. Als ich in das Dachgeschoss hinauf gehe, gehe ich scheinbar gleichzeitig in der Zeit zurück. In einem Raum ist eine rote Sitzgruppe vor einem alten Röhrenfernseher gruppiert. Die Tapete ist der letzte Schrei. Einen Raum weiter finde ich zwei gemütliche Sofasessel, dazu die Pulle Bier auf dem Tisch, so als hätten hier gerade noch Leute zusammen geplaudert. Es hätte jeden Moment ein Gast hereinkommen können, ohne dass ich mich gewundert hätte. Das Treppengeländer hat definitiv einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ich liebe diese metallenen grazilen Formen, die eine ganz eigene Leichtigkeit ausstrahlen. Sie sind mehr ein Kunstwerk als eine Notwendigkeit. Wunderschön!

6 Kommentare

  1. 17/06/2018
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    Sehr stimmungsvolle Motive Frauke ! Wenn das der olle Heinrich wüsste..einfach so weggebaggert zu werden…echt stillos…. 🙂
    Lieber Gruss, Jürgen

    • 17/06/2018
      Antworten

      Vielen lieben Dank, Jürgen! Es ist umso mehr schade, weil es vielleicht vor einiger noch zu retten gewesen wäre 🤔😯. Viele Grüße und schönen Sonntag ☺

  2. 17/06/2018
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    Coole Bilder! Wieder mal sehr stimmungsvoll und traurig verlassen. Wer da schon alles gewohnt haben mag? Wenn die Möbel Geschichten erzählen könnten …

    • 17/06/2018
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      Vielen lieben Dank!! Es ist wirklich immer ein seltsames Gefühl, an Orte zu kommen, wo noch Mobiliar drin ist, besonders wenn es gewöhnliche Gebrauchsgegenstände sind, wo man fast noch die Anwesenheit der Menschen spürt, die in den Räumen waren. Andererseits glaube ich, hätten die Häuser die Zeit überstanden, wären die Möbel sicher längst entsorgt worden.

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