VEB Robotron und die verlassenen Wanderer-Werke

VEB Robotron und die verlassenen Wanderer-Werke

In den Wanderer-Werken wurden neben Fahrrädern auch Motorräder, Schreib- und Rechenmaschinen, Werkzeugmaschinen und mehr hergestellt.

Als ich diese verlassene Industrie betrete, weiß ich noch nicht, was mich in den Wanderer-Werken und späterem VEB Robotron Bürotechnik erwartet bzw was dieser Lost Place noch zu bieten hat außer der gigantischen Maschinenhalle, auf die ich es abgesehen habe. Das erste Gebäude ist so arg zerrüttet, dass ich kaum Rückschlüsse ziehen kann. Ich tippe ins Blaue auf ein Bürogebäude. Der Trakt danach wird schon spannender: ich komme in eine Halle, die auf den ersten Blick wie eine Großküche aussieht. Zumindest scheint es sich um eine Art Schmelzherde oder -kessel zu handeln. Stutzig machen mich nur die viele Kühlschränke, die in vielen Räumen herumstehen.

Darum mache ich mich schlau:

Geschichte und Entwicklung der Wanderer-Werke

Der Urpsrung liegt in der 1885 von Johann Baptist Winklhofer und Richard Adolph Jaenicke als “Winklhofer & Jaenicke” gegründeten Fahrradwerkstatt mit Verkauf der damals noch riesigen Fahrräder. Es handelte sich noch das Riesenrad vorn mit Minirad hinten. Die beiden hatten aber so viel Erfolg, dass sie schon zwei Jahre später in eine kleine Fabrik umzogen. Ihre produzierten Fahrräder gaben sie den Namen “Wanderer”. Zehn Jahre nach Firmengründung, 1895, war ihr Unternehmen auf etwa 250 Beschäftigte angewachsen, der Sitz war nun eine große Fabrik mit dem Namen “Wanderer Fahrradwerke” in Schönau bei Chemnitz. Im Jahr darauf wandelten die Gründer ihre Firma in eine AG. Es blieb nicht bei der Produktion von Fahrrädern. Anfang des 20.Jhds kam die Produktion von Motorrädern und Schreibmaschinen hinzu. Die Schreibmaschinen liefen unter dem Marken-Namen Continental. Die Entwicklung der Wanderer-Werke war nicht zu bremsen und hatte ab 1914 zusätzlich Fräsmaschinen, Schreib- und Rechenmaschinen und PKWs in der Produktionspalette. Der Kraftfahrzeug-Bereich wurde allerdings 1932 an die Auto Union verkauft, einem Vorläufer der heutigen Audi AG. Vor dem zweiten Weltkrieg gehörten die Wanderer-Werke mit rund 6000 Angestellten zu der bedeutendsten Industrie in Deutschland. Während des zweiten Weltkrieges kam – wie nicht anders zu erwarten – die Rüstungsproduktion hinzu.

Unter der Führung der DDR wurden die Wanderer-Werke AG 1948 enteignet und aufgespalten in unterschiedliche Betriebsteile und separate Industriewerke, die an verschiedenen Standorten unter neuen Namen fortgeführt wie z.B VEB Wanderer-Fräsmaschinenbau (später Fritz-Heckert-Werk), VEB Wanderer-Continental Büromaschinenwerk (Produktion von Schreibmaschinen und Buchungsautomaten).

1953 kam es zur Vereinigung der Astra-Werke und der Wanderer-Werke unter dem Namen “VEB Büromaschinenwerk Karl-Marx-Stadt” mit dem Logo ASCOTA.

1955 wurden aus dem Betriebsteil in Schönau/Chemnitz die “VEB Industriewerke Karl-Marx-Stadt“. Die Produktion von Schreibmaschinen übernahm das “Optima Büromaschinenwerk Erfurt”, die Produktion von Büromaschinen wird eingestellt, stattdessen werden Flugzeugmotoren gefertigt, später auch Hydraulikpumpen. Nach er Wiedervereinigung konnte ein kleiner Teil dieses Industriewerks als Sachsenhydraulik GmbH durchkommen, wurde aber schließlich an einen amerikanischen Konzern verkauft.


Das 1969 in Dresden gegründete Kombinat Robotron erreichte 1984 als Gründung des “VEB Robotron-Bürotechnik Karl-Marx-Stadt” auch Chemnitz.

Finanzielle Schwierigkeiten ließen die ehemaligen Wanderer-Werke mit ihren diversen Betriebsteilen schließlich 2010 in die Insolvenz fallen.


https://de.wikipedia.org/wiki/Wanderer-Werke

https://www.robotrontechnik.de/index.htm?/html/standorte/rbuerotechnik.htm

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