Das verlassene Gasthaus “zur Lokalszene”

Das verlassene Gasthaus “zur Lokalszene”

Als ich dieses verlassene Gasthaus mit einem kleinen Ballsaal betrat, dachte ich zuerst, die ganzen getürmten Tisch- und Stuhl-Skelette auf der Bühne wären gemalt, quasi ein Bühnenbild. Erst auf den zweiten Blick erkenne ich, dass der Haufen weder Bühnenbild noch Kunst ist – wobei, man weiß es immer nicht so genau. Eigentlich hätte ich es sogar ganz cool gefunden, wenn jemand als Kunstprojekt auf der Bühne genau das abgebildet hätte, was gerade in diesem verlassenen Gasthaus mit Ballsaal stattfindet. Es hätte so gut gepasst zu den vielen gestapelten Stühlen davor. Das wäre doch mal zeitgenössische Kunst in einem Lost Place: ein Bühnenbild, das den fortschreitenden Abriss von diesem verlassenen Gasthof parallel zum Fortschritt abbildet, sich zeitgleich dem inneren und äußeren Geschehen anpasst, und wenn am Ende der letzte Stein des Gasthauses fällt, fällt auch die Bühne in sich zusammen. Hammer! Ist schon jemand auf so eine Idee gekommen? Ich freunde mich gerade mit der Umsetzung an…. Die Frage ist nur, wie weit man auf der Bühne arbeiten kann, während der Bagger am Haus schaufelt. Aber das ist ein anderes Thema… – Jedenfalls ist dieses verlassene Gasthaus ein weiteres Abriss-Opfer, wie so viele alte Gasthäuser und -höfe in der ehemaligen DDR. Das ist verständlich und bedauerlich zugleich. Wenn ein Betrieb unwirtschaftlich ist, weil entweder die Gäste fehlen – wie bei einem Gasthaus – oder weil die ursprüngliche Nutzung ihren Zweck für nachkommende Generationen überholt hat – wie bei einem Kulturhaus – bleibt nur eine Anpassung an die aktuelle Zeit im Sinne der Umnutzung oder eben Abriss. Schade natürlich für Liebhaber von Lost Places wie mich, da ich solch alte Bausubstanz sehr schön finde, besonders, wenn ein rustikaler Ballsaal mit original DDR-Lampen, -Decken und anderen Einrichtungsgegenständen vorhanden sind. Aber man kann nicht an allem festhalten.

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