Napola – Die nationalpolitische Erziehungsanstalt

Napola – Die nationalpolitische Erziehungsanstalt

Diese Internatsschulen aus der NS-Zeit sollten als Bildungsanstalten für nationalsozialistischen Nachwuchs dienen

Ein Sommer wie ein Brutkasten. Dennoch will ich nach all der langen Zeit, wo ich die Napola Eliteschule in Ballenstedt schon auf meiner Karte vermerkt habe, endlich mal einen Blick hinein werfen. Das ehemalige Eliteinternat ist inzwischen ein (leider zu bekannter) Lost Place. Wirklich schön finde ich den Baustil der NS-Zeit nicht, aber in gewisser Weise beeindruckend. Das dicke, hohe und geradlinige Bauwerk der ehemaligen Internatsoberschule aus der NS-Zeit wirkt schwer und mächtig. Das war wohl auch beabsichtigt. Die diversen Napola (abgekürzt für: nationalpolitische Lehranstalt bzw nationalpolitische Erziehungsanstalt (NPEA), auch Napobi (nationalpolitische Bildungsanstalt)) wurden nach 1933 als „Gemeinschaftserziehungsstätten“ zur “Heranbildung” einer nationalsozialistischen Führungsschicht gegründet – was auch immer das bewirken sollte. Aber das ist hier in meinem Beitrag nicht das Thema, ich möchte über mein Erlebnis erzählen….

Wie in den meisten Fällen rolle ich das Feld von hinten auf und erreiche über ein kleines Waldstück das Terrain der Napola. Neben dem Hauptgebäude mit dem Turm gibt es noch diverse Wohn- und Verwaltungsgebäude, die mich allerdings wenig interessieren. Die Sonne knallt so stark auf mich herab, dass die Überführungsgänge zwischen den Gebäuden erholsamen Schatten bieten, denn das Gelände ist schon ziemlich groß.

Zersplittertes Glas knirscht unter meinen Schuhen, als ich den großen Hauptsaal betrete. Wie fast nicht anders zu erwarten haben sich schon die Sprayer und geistesgestörten Zerstörer in dem schönen Saal, der wohl das bekannteste Motiv der Napola ist, verewigt. Bis auf eine einsame 4er-Gruppe sind die ganzen Hörsaal-Stühle verschwunden, die Lampen zerschlagen, die Holzverkleidung des Oberrang mit einem gesprayten Schriftzug versehen, der auch noch einen Rechtschreibfehler aufweist. Ich lache innerlich. Verblödung an die Wand gebracht. Die Verblödung des Vandalismus macht mich eher traurig. Lange Zeit konnte man die Napola nur mit einer Führung anschauen. Seitdem es einen “offenen Zugang für alle” gibt, muss es recht schnell gegangen sein mit dem Schwinden des Schönen. Ich versuche das beste aus dem Verbliebenen zu machen und suche mir ein paar interessante Motive, die zumindest ein wenig der vergangenen Geschichte festhalten.

Plötzlich knallt eine Tür. Ich bin nicht besonders schreckhaft, aber das unvermittelt laute Geräusch lässt mich innehalten und lauschen. Ich gehe hinter dem Saal durch die Vorhalle und stecke den Kopf durch die Flügeltür. Es rumst wieder. Raschelnde Geräusche folgen, die ich nicht richtig einordnen kann. Bin ich nicht allein? Ist noch jemand gekommen? Oder gar ein Trupp bekloppter Jugendlicher, die wieder ihre unbändige Herkuleskraft an schwachem Glas beweisen müssen?! Ich bleibe ungern im Unklaren, also gehe ich schwebenden Schrittes in die Richtung, aus der die Geräusche kamen, schaue in die Räume und durch das Schlüsselloch einer Tür. Keiner zu sehen. Wieder knarrt etwas, dann das Zufallen einer Flügeltür hinter mir. Erst etwas verdutzt, dann erleichtert stelle ich fest, dass leichter Durchzug herrscht, was den einen Türflügel immer mal wieder hin- und her schwingen lässt. Um nicht jedesmal hochzuschrecken, suche ich kurzerhand ein Stück abgefallene Tapete, knülle es zusammen und klemme es zum Feststellen unter die Tür. Manchmal muss man so seine Vorkehrungen treffen, um nicht halb paranoid in einem Lost Place herum zu laufen.

Alles in allem hat sich der Besuch der Napola für mich schon gelohnt. Ich habe einen guten Eindruck bekommen, wie groß diese ehemalige Eliteschule ist. Die schönen holzvertäfelten Decken und die übergroßen Fenster sind immer noch beeindruckend. Der Blick in die kleinen Räume der Filmvorführer war ebenfalls nicht uninteressant. Auch die Telefonkabinen waren eine witzige Entdeckung, da ich vorher noch nie welche dieser Art gesehen hatte.


Web-Links:

https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalpolitische_Erziehungsanstalt

1 thought on “Napola – Die nationalpolitische Erziehungsanstalt

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      Hallo Frauke,
      Dieser Ort steht schon soooo lange auf meiner persönlichen to-do-Liste… Danke schön fürs Zeigen der Bilder, die – wie immer – sehr gut gelungen sind.
      Innen sieht es für mich eher nach dem “70er-JAhre DDR-Charme” aus… die typischen roten Stühle (zumindest die paar, die da noch stehen), die typischen Möbel… und… diese typischen Telefonzetteln – sehr krass, das die noch zu sehen sind…
      Eine sehr gelungene Foto – Mischung hast Du hier präsentiert, ich kann gar nicht sagen, welches mir am besten gefällt…sie sind alle sehr gelungen und sprechen mich alle an 😉
      Vielen Dank und viele Grüße
      der Frank

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