Die verlassene Villa „Stilisto“

Die verlassene Villa „Stilisto“

Diese verlassene Villa in Italien erzählt authentisch vom alltäglichen Wohnen ohne viel Dekadenz, dafür mit hübscher Schlichtheit.

„Wie man wohl in Italien so wohnt und lebt?“, habe ich mich gefragt. Damit meine ich keinen Wohnraum umgeben von Prunk und Pracht, sondern wie sieht es in einem „normal“ bürgerlichen Haus aus? Wobei allerdings diese verlassene Villa auch nicht gerade klein ist, aber definitiv keine dicke Villa von reichen Leute wie die schöne Villa Pallavicino oder die verlassene Villa Becker. Mit Spannung nähere ich mich der Villa, zu der man ausgerrechnet über eine große, frei einsehbare Wiese gehen muss. Was soll’s, ich rechnete nicht damit, dass die davor parktenden LKW-Fahrer an mir interessiert sein würden. Zu meiner Überraschung steht die Haustür offen. Beim Eintreten fällt mein Blick mit einem „Aaahw“ im Kopf sofort auf die wunderschöne Garderobe. Gleichzeitig erhalte ich durch die getrockneten Ballhortensien in den großen Tonkrügen ein intensives Gefühl von persönlicher Atmosphäre, denn sie vermitteln mir den Eindruck von nett dekoriertem „Zuhause“. Ich schaue mich langsam um und versuche herauszufinden, wieviel Personen hier wohl gelebt haben und wie lange. Letzteres würde man an modernen Möbeln oder Elektronikgeräten erkennen können, aber erstaunlicherweise findet sich nichts dergleichen. Mir ist natürlich klar, dass die Räume – speziell Küche und Wohnraum – nicht in ihrem Originalzustand des Verlassens dieser Villa befinden. Ich bin ja (leider) nicht die Erste, die diese Villa besucht, und es gibt (leider, leider) immer Leute, die irgendetwas „dekorieren“ müssen. Aber es herrscht kein Quaos, es gibt keinen Vandalismus, somit scheint der Zustand noch recht ursprünglich. Dennoch wundert es mich dass ich wenig persönliche Sachen finde. Zum Beispiel Zeitungen, Strickzeug oder irgendwas für ein Hobby oder eine Beschäftigung nach Feierabend. Nur in dem Schlafraum mit dem Einzelbett finde ich eine Mappe mit Zeichnungen und Malereien. Das Hobby hatte ich auch mal, damals, als es noch keine Smartphones und SozialMedia und diesen von vielen Menschen für selbstverständlich gehaltenen Wohlstand gab. Nichts davon hat mich vom Malen weggebracht, ich bin statt dessen intensiv in die Fotografie und das Urbexen eingetaucht. Zum Glück und wie schön! Aber auch einen Fotoapparat habe ich hier nicht gefunden. Nun gut, die waren damals sicherlich eher „Luxus“. Während ich noch am Auskundschaften bin, kommt ein italienisches Pärchen Mitte 30J. Sie beschäftigen sich mit paranormalen Phänomen und wollen mal schauen, ob sie hier etwas „finden“. Aber bereits nach wenigen Minuten verschwinden sie wieder. Für mich bleibt am Ende immer noch eine Frage: „Wie hat man eigentlich in Italien so gelebt, damals, ohne Moderne?“