Die Freyberg-Brauerei am Fluss

Ein Lost Place vom Abriss eingeholt

Die Größe der Kessel kann man nur erahnen, der Geruch von Bier und Malz ist schon lange unter Staubwolken begraben. Die Löcher, in denen mal die Braukessel der Freyberg-Brauerei gewesen sein müssen, gähnen dunkel und hohl wie ein weit aufgerissener Schlund. Ich frage mich immer, wie man diese Kessel dort heraus bekommen hat und wer das geschafft hat. Zu gerne hätte ich einen dieser gigantischen Braukessel mal gesehen und das Blubbern darin gehört. Noch viel lieber hätte ich eines der original hell gebrauten sogenannten Meisterbräu Biere probiert!

verlorene Spuren in der alten Brauerei

Viel ist in dieser verlassenen Brauerei nicht mehr übrig geblieben. Im Keller liegen ein paar verrostete Fässer, hier und da ein paar leere Pullen, vergessene Löffel. Die großen Stahlbehälter sind immer noch faszinierend. In den oberen Etagen des hinteren Brauerei-Gebäudes verpuffen unsere Schritte im Staub der langen Bürogänge. Die Sonne kann ungehindert die leeren Räume ausfüllen. Interessant finde ich, daß die Türen im Verwaltungsbereich alle aus Holz sind. Das wirkt durchaus hübsch mit ihren unterteilten Formen. Besonders interessant fand ich im ersten Stock den Party-Raum in purple-rot. Der Tresen und ein paar Schnapsgläser sowie der fette Leuchter lassen darauf schließen, daß man hier erfrischend fröhlich feiern konnte, wahrscheinlich gleich mit einem “frisch Gezapftem”. Ansonsten fehlt, wie überall in verlassenen Gebäuden, alles aus Metall, was nicht niet- und nagelfest ist. Zu meinem Erschrecken fehlt auch das Treppengeländer in einem der Gebäude, was beinah dazu führte, daß ich in die nackte Tiefe gefallen wäre! Ich sah am Treppenabsatz in einem unbedachten Moment aus dem Fenster und ging dabei gerade weiter ging. Im letzten Moment blieb ich wie durch den Halt einer sanften Geisterhand stehen, erwachte aus meinem unkonzentrierten Tagtraum und erkannte, wie knapp ich dem Abgrund entkommen bin. Ja, Lost Places sind spannend, aber auch sehr gefährlich! Dieses fotografische Hobby erfordert neben der Abenteuerlust höchste Konzentration, und das permanent! Es können einem nicht nur Löcher im Boden zum Verhängnis werden. Übriggebliebene Reste von Glas in Fensterrahmen können Hände aufschlitzen, Steinbrocken oder Ziegel können sich geräuschlos aus der Decke lösen, Balken herunter fallen, Treppen wegbrechen, der Boden nachgeben, Stahlrohre aus einer Wand herausstehen, Strippen zum Verheddern herumliegen oder -hängen, und noch so viel mehr! Besonders, wenn es bereits zu Brandschäden gekommen ist, wie auch in dem vorderen Gebäudeteil der Freyberg-Brauerei. Und dennoch: die verliebenen Spuren an Originalen der Vergangenheit von verlassenen Orten zu entdecken sind und bleiben für mich das Spannendste!

weitere Hintergrund- und Geschichts-Informationen zur Freyberg-Brauerei:

https://www.msn.com/de-de/finanzen/top-stories/ehemalige-freyberg-brauerei-ex-bierpalast-wird-zum-neuen-kiez/ar-AAHIEcu

https://www.immobilien-zeitung.de/profile/projekt/Ehemalige_Freyberg_Brauerei_Halle

https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Freyberg-Brauerei_(Halle)

https://hallespektrum.de/nachrichten/rezensionen/meisterbraeu-bockbier-und-club-cola-die-freyberg-brauerei-in-halle/195787/

4 Kommentare

  1. Hallo Frauke,
    das sind wieder sehr schöne Bilder, auch wenn das Objekt wirklich in einem bedauernswerten Zustand ist. Schon erschreckend!
    Die Gefahren, die Du beschreibst, sind hoffentlich jedem präsent… es ist wirklich oft genug gefährlich und vermutlich kommt jeder von uns bei den meisten Touren mit kleineren Blessuren davon… Brombeerhecken (wirklich sehr fieses Zeug); hohes Gras, so das man nicht sieht, was im Boden lauert… Löcher oder Wurzeln oder spitze Gegenstände; besonders gefährlich sind im Dunkeln hervorstehende Gegenstände, Nägel an Türen, Metallstäbe etc… Man kann nur an jeden appellieren, sehr umsichtig zu sein und immer entsprechen gekleidet zu sein (nein, Stöckelschuhe und Minirock sind keine gute Idee – hab ich aber auch schon gesehen…)
    Am besten gefallen mir übrigens das “Schuhbild” und das Bild mit dem Lichteinfall im Fenster 😉
    Viele Grüße und bleib gesund – auf den Touren und in der derzeit schwierigen Zeit, der Frank

    • urbexsneeker
      14/04/2020
      Antworten

      Hallo lieber Frank,
      ich komme leider erst jetzt in Ruhe zum Antworten…. ja , es sind schwierige Zeiten!
      *hahahaha* Brombeerhecken hatte ich letztes Jahr vor einem Hotel auch 🙂 , selbst mit Stock schwer abzuhalten, meine Jeans hat dann doch ein paar Spuren mitgenommen (deswegen hab ich meist auch eine “Urbexer-Hose” 😉 und entsprechende Jacke). Das kann einen schon kirre machen, wenn man sich darin verheddert 🙂
      Ui, das hätte ich nicht gedacht, das gerade diese beiden Fotos überhaupt Anklang finden, ich wollte sie erst gar nicht mit rein nehmen. Freut mich aber umso mehr 🙂 !
      Ich hab festgestellt, dass sich meine Art zu fotografieren doch etwas geändert hat, wahrscheinlich gucke ich deswegen heute meine Fotos mit anderen Augen an. Man ist ja eh selbst der größte Kritker 😉 . Die Fotos sind auch noch mit der Canon und dem Ultraweitwinkel und bzw oder dem Standard-Kit entstanden, da konnte ich vieles, was ich erreichen wollte, nicht umsetzen. In weiteren Beiträgen (in Arbeit, fertig ist zB das Hotel mit den Federbetten) wird man (hoffentlich *hehe*) einen Unterschied sehen. Kennst Du das, enn man ein Bild im Kopf hat, es aber nicht so wird? Fürchterlich….! 😀
      Ich hab gesehen, Du hast Deine Seite umgebaut! Gefällt mir seeeehr gut!!!
      (Ich hoffe, Du bist nicht böse, wenn ich nicht so oft Zeit zum Lesen finde, ich bin noch stark am “Stricken” an dieser Seite und meinem 2. Projekt travelsneeker.de . Hätte nicht gedacht, dass das doch so zeitintensiv ist. Aber wenn, dann schaue ich immer sehr gern bei Dir rein!)

      Ganz ganz liebe Grüße, und auch für Dich: gesund bleiben, es gibt noch genug Schönes im Leben zu erleben ;),
      Frauke

  2. Hallo Frauke,
    oh, was für eine lange Antwort – damit hätte ich gar nicht gerechnet.
    Vielen Dank für das Kompliment, das gebe ich gerne zurück 😉
    So eine Seite vernünftig zu gestalten ist doch schon sehr zeitintensiv – so hat diese “besondere Virus-Zeit” auch etwas Gutes, man kann vielleicht das eine oder andere länger aufgeschobene umsetzen.
    Ich bin sehr froh, dass Du das Schuhbild und das Bild mit dem Lichteinfall drin gelassen hast – für mich sind sie etwas besonderes, sie strahlen etwas ganz eigenes aus.
    Mir geht es ganz ähnlich, wie Dir – irgendwie mache ich heute auch andere Bilder, als noch vor Jahren… und wer kennt das nicht: man hat ein Motiv im Kopf, und wenn das nicht so wird, ärgert man sich – aber man freut sich um so mehr, wenn das Projekt gelingt.
    Manchmal sind es auch die unscheinbaren Dinge, die ein gelungenes Bild ausmachen (die Schuhe z.B.); ich habe so ein ähnliches Motiv in einer ehemaligen Kaserne mit einem alten Stiefel, der da stand, als wäre er gerade zum putzen abgestellt worden *lach*
    Um nochmal kurz auf die Gefahren zurück zu kommen: manche unterschätzen das sehr oft, und was man manchmal beobachten kann, ist unglaublich. Man muss schon sehr genau seine eigene Grenze kennen (und die der Ausrüstung und Klamotten natürlich auch). Im Zweifelsfall mal einen Umweg gehen oder etwas nicht betreten… In dem Sinne – bleib schön gesund und viele schöne Touren!
    Liebe Grüße, der Frank
    (PS: wo ist der “like”-Button für die Kommentare abgeblieben?)

    • urbexsneeker
      23/05/2020
      Antworten

      Hallo Frank,
      wie es aussieht, kann man dieses Jahr noch einige Touren planen, der Urlaub wird ja allerhöchstwahrscheinlich im eigenen Lande statfinden (müssen) 😀 … finde ich gar nicht so schlimm, ich habe die Karte noch voll mit Orten, die eh zu weit weg für eine Tagestour sind, somit paßt mir das sogar ganz gut, ich wollte eh irgendwann ein lost-place-Jahr einlegen *hahaha* Hauptsache, man kann bald wieder in die Hotels, denn die ganze Zeit im Zelt übernachten ist jetzt nicht so meine favorisierte Reiseart 😀 .
      Der like-button … hm, der ist in diesem Template nicht vorgesehen 😉
      Liebe Grüße, Frauke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

− one = 1