Das verlassene FDGB-Heim „Cosaplast“

Das verlassene FDGB-Heim „Cosaplast“

Dieses verlassene FDGB Erholungsheim bietet natürlichen Verfall vom Feinsten

Als ich vor diesem Lost Place parke, bin ich ein wenig verwirrt. Da fehlt was. „War da nicht noch ein Häuschen dran?“, überlege ich und schaue mir den langen Flachbau in der Senke an. „Wieso sollte man das Haus wegreißen und den Bau mit den maroden Zimmern lassen?“ So ganz verstehe ich es nicht, belasse es aber dabei. Marode ist allerdings etwas untertrieben. Ich lande im ersten Zimmer und bin begeistert: hier herrscht großartiger Verfall mit herab geblätterten Tapetenbahnen, durchgebrochener Deckenputz, Schimmel und einer leicht grünen Moos-Patina. So mag ich es. Da es keinerlei Graffiti oder groben Vandalismus gibt, scheint dieses verlassene FDGB-Erholungsheim vor langer Zeit in Vergessenheit geraten und bis heute wenig bekannt zu sein.

Ich schaue mich Zimmer für Zimmer um. Die Details des Verfalls sind faszinierend. Die Schränke biegen sich vom durchgefeuchteten Holz, die Wände schimmern grün und der Schimmel blüht mit detaillierten Pilzen. Ich könnte hier ewig fotografieren. Allerdings ist das gar nicht so einfach, weil die Zimmer nicht gerade groß sind. Die schmalen Doppelbetten erinnern mich dunkel an meine Jugendherbergs-Zeit. In jedem Zimmer gibt es diese kleine Waschecke mit den typischen DDR-Glasfliesen aus den 1930gern, wie ich sie auch im Jugenderholungsheim Endlerkuppe gesehen habe. Diese unterscheiden sich nämlich zu den späteren Keramikfliesen, da diese alten Glasfliesen auf dem Untergrund eine Beklebung mit Farbe oder Muster haben und darüber eine transparente Glasplatte geklebt ist. Sie sind 15x15cm groß und haben durch die Glasplatte eine Tiefe von 4mm. Sogar die Herbergsleitung hat eine Waschecke mit diesen Glasfliesen, dafür aber ein rosa Waschbecken. Für die Sammelwäsche gab es in diesem ehemaligen FDGB-Heim einen Waschraum mit weiteren Waschbecken. „Und was ist mit Duschen?“, frage ich ich. Einen Duschraum finde ich nicht. Vielleicht war der ja in dem Häuschen. In dem Moment fällt mir auch ein, dass ich keinen Speisesaal entdecken kann. Mir wird klar, dass dieser auf jeden Fall in dem heute fehlenden Haus war. Wie schade, denn den hätte ich gern gesehen. Aber man kann nicht alles haben. Trotzdem finde ich diesen Lost Place sehr spannend und lohnenswert – ich bin aber auch Fan von FDGB-Erholungsheimen.