Der velassene Gasthof „Traube“

Der velassene Gasthof „Traube“

Für heute stand eigentlich nur eine Wanderung auf dem Programm, keine Urbex-Erkundung. Entsprechend hatte ich meine Kamera nicht dabei. Bei der Parkplatzsuche fand ich direkt neben diesem verlassenen Gasthof ein freies Plätzchen. Natürlich hatte ich aus dem Augenwinkel gleich registriert, dass es sich um einen Lost Place handeln musste. „Nur mal kurz gucken…“, dachte ich und schlenderte daran entlang. Das dichte Gestrüpp auf dem Hinterhof zeugte von längst vergangener Nutzung und Abwesenheit jeglichen Besitzers oder anderen Nutzern des altes Gasthofs. „Naja, komm, wenn ich schonmal hier bin… – was sagt denn der Hinterhof?“ Der Hinterhof sagte, dass das Gestrüpp noch zugewachsener war, aber auch die Hintertür offen stand und erreichbar schien. Da so ziemlich jeder verlassene Gasthof auch einen Saal hat, ist es für mich mit meiner Ballsaal-Liebe natürlich undenkbar, nicht nachzuschauen, wie es sich bei diesem Lost Place verhält.

Allem Anschein nach wurde der alte Gasthof wegen Rückständen bei Rechnungen und evt auch Schulden aufgegeben. Dennoch hatte ich den Eindruck, als hätte es mal Anstalten einer Sanierung gegeben. Gern hätte ich das alte Inventar gesehen, denn die Kombination aus uraltem Ofen vorherigen Jahrhunderts und Kalender von 2005 war schon merkwürdig. Der Saal – mein Objekt der Begierde – ist für das ansehnlich große Gebäude überraschend klein. Zugegeben: ich war etwas enttäuscht. Als Tanzssaal nicht so geeingnet, als Kneipensaal ganz nett. Aber so ist es beim Urbexen: wenn man vorher nicht weiß, was einen im Lost Place erwartet, muss man mit allem rechnen. Mal erwischt man die tolle Traube, mal den schnöden Kern.