Das verlassene Ballhaus „Dino“

Das verlassene Ballhaus „Dino“

Erster Anlauf zum verlassenen Ballsaal

Wie gern hätte ich mir den wunderschönen Ballsaal in diesem inzwischen komplett verlassenen Ballhaus schon zwei Jahre früher angeschaut. Aber damals herrschte am Tag meiner geplanten Erkundung dieses Lost Place starker Nieselregen, alles war feucht, aufgeweicht und leicht glitschig. Um Zugang zum Ballsaal zu haben, hätte ich von einem Erdwall neben dem Saaltrakt einen ziemlich großen Schritt über den Graben zum Fenstersims im ersten Stock machen müssen. Das Risiko, abzurutschen und mir im Graben die Beine zu brechen, war mir zu hoch. Außerdem war mir zu Ohren gekommen, dass im Obergeschoss noch eine alte Dame mit ihrem behinderten Sohn wohnt. Das war für mich ein weiterer Punkt, dieses Ballhaus nicht zu betreten, denn eines finde ich absolut nicht gut und nicht richtig: wenn man ein Gebäude betritt, dass irgendwo noch bewohnt wird. Das geht einfach gar nicht! Somit war das schlechte Wetter an dem Tag vielleicht „SchickSaal“ (*hahaha*, Wortspiel). Außerdem hätte ich mir ja die Wohnung gar nicht angucken können. Ob es sich gelohnt hat? Der verlassene Ballsaal auf jeden Fall, bei der privaten Wohnung bin ich zwiegespalten.

Mein Besuch im verlassenen Ballhaus

Am heutigen Tag hatte ich bereits fünf Lost Places abgegrast – bis auf einen auch mit Erfolg. Wobei, in zwei Lost Places habe ich versäumt, alles zu erkunden (Gasthof „halber Boden“) bzw. war mir unsicher (verlassenes Ferienhotel), aber das ist eine andere Geschichte. Als ich am frühen Abend angebraust komme, parke ich umständlich an der Straßenseite neben dem alten Ballhaus. Mich wundert, dass auf dem Parkplatz direkt vor dem Ballhaus drei Autos mit belgischem Kennzeichen stehen. Ich will nicht glauben, dass es Urbexer sind, die so dreist sein können. Bisher hieß es, dass der Nachbar ein scharfes Auge auf das Ballhaus hat. Aber als ich unter dem Baugerüst die offenen Seitentür entdecke, weiß ich Bescheid. Ich betrete einen großen Schankraum, in dem es zwar etwas rumpelig aussieht, weil alles Mögliche hier zusammengetragen und -geschoben wurde. Es stehen aber auch Kisten mit vollen Whiskyflaschen herum. Auch sonst ist alles, was man für einen Bar-Betrieb braucht, vorhanden. Vor allem: es ist nichts zerschlagen: keine Gläser, keine Möbel. Das ist beruhigend, denn dann hat dieser Lost Place noch nicht „die Runde“ gemacht. Beim Hinaufgehen in den ersten Stock zum Ballsaal höre ich dann das Getuschel der Belgier. Sie müssen kurz vor mir gekommen sein, da sie noch am Anfang ihrer Fotos vom Saal sind. Zum Glück sind sie aber recht schnell fertig und plötzlich verschwunden. Ich habe das verlassene Ballhaus für mich. Die Sonne steht inzwischen sehr tief. Sie scheint nun zwar perfekt in den verlassenen Saal und verbreitet schön zartes Licht, aber ich weiß, dass ich jetzt nur noch etwa eine halbe Stunde habe, bevor sie auf dieser Seite hinter den Hausdächern verschwunden ist. Mir fällt auf, dass die Saaldecke starke Feutigkeitsschäden aufweist. Das hatte ich so gar nicht in Erinnerung. Ich fürchte, dass die Saaldecke einen Durchbruch erleiden wird. Und dann ist der Rest nur eine Frage der Zeit. Wie traurig! Überraschenderweise kann ich in der Wohnung im Dachgeschoss überhaupt keine Verfallsschäden erkennen. Die Wohnung sieht aus, als wäre eben erst jemand gegangen oder übereilt ausgezogen. Es liegen noch sehr viel persönliche Dinge herum: zig Lebensmittelprodukte, Fischdosen, Putz- und Kosmetikartikel und sogar einen Behinderten- und zwei Personalausweise. Nicht gut! Wieso werden so wichtige Dokumente (die ich natürlich nicht veröffentliche!), zurückgelassen? Zuguterletzt schaue ich mich noch in der „Cocktail Bar“ im ersten Stock um. Schön zurecht gemacht ist es hier ja. Diese Spiegel mit Motiven kenne ich noch aus meiner Jugend, stelle ich grinsend fest. Was ich aber erst auf den zweiten Blick wahrnehme, sind die Feuchtigkeitsschäden und Schimmelspuren an den Wänden. Offenbar gibt es undichte Stellen im Dach, aber hierüber ist ja noch das Dachgeschoss mit der Wohnung. Außerdem liegen die Räume der „Cocktail-Bar“ und der Billiardraum direkt an der Gebäudefrontseite über dem Haupteingang. Hier strahlt die Sonne bis zum Untergang hin; der Ballsaal liegt ja dahinter. Die Räume müssten eigentlich genügend erwärmt werden, um die eindringende Feuchtigkeit zu trocknen. Aber wohl doch nicht. Und wo sie herkommt, bleibt mir bis heute unklar. Auf jeden Fall war es für mich ein schöner Besuch, über den ich mich sehr gefreut habe!