Der verlassene Gasthof „grünes Licht“

Der verlassene Gasthof „grünes Licht“

Der heutige Tag ist so dermaßen brütend heiß, dass einem der Schweiß wahrlich läuft. Bei einer zuvor versuchten „Gebüschdurchquerung“ hatte ich mir den Arm tief aufgekratzt, aber sogar das Pflaster hielt auf meinem dauerhaft angeschwitzten Arm nicht. Das wäre ansich kein Drama, nur das laufende Blut stört ja doch etwas beim Fotografieren. Aber das ist an diesem Tag nicht das einzig Störende. Als ich um diesen verlassenen Gasthof herum pirsche, kommen mir aufgeregt mehrere Mücken entgegen. Immer ungünstig, wenn man sich nicht schnell fortbewegen kann, um diese anhänglichen Blutsauger abzuschütteln. Aber wahrscheinlich wäre das eh kaum möglich, da sie an meiner verschwitzten Haut förmlich kleben bleiben. Als ich um die Hausecke gehe, sehe ich, was auf mich wartet: der Hauptschwarm. „Ohrr nee, ne?!…was ist denn hier los?!?!“, denke ich. Soviel Viechzeuch hab ich selten gesehen! Es sind nicht nur Mücken, sondern auch extrem lästige Fliegen. Hier ist extrem action, ausgerechnet vor dem „Eingang“ zum Gasthof! Ich komme nicht drumherum, mein Fotoequipment kurz abzulegen, um besser in den alten Gasthof einsteigen zu können. Ich versuche gar nicht erst, herumzuwedeln, das wäre vergebene Müh. Ich beeile mich einfach. Und was soll ich sagen: als ich drin bin, ist mir kein Insekt gefolgt. Es klebt auch keins an mir. Ich stutze etwas und überlege, ob der Insektenschwarm vielleicht etwas weiß, was ich auch wissen sollte. Stichwort Schwarmintelligenz. Ich schaue mich daher erstmal vorsichtig um, prüfe Boden, Decke, gesamte Bausubstanz. Hier wo ich stehe ist die Welt bzw. der Gasthof auf jeden Fall noch in guter Verfassung. Also los…

Der verlassene Ballsaal ist ziemlich groß und schlicht, aber das Farbspiel, was sich hier durch den maroden Verfall von diesem alten verlassenen Gasthof ergibt, ist traumhaft! Seltsam grün strahlt das Tageslicht in den kleinen Nebenraum des Ballsaals. Das sieht irgendwie mystisch aus – auf jeden Fall toll! Vielleicht war das eine Art „Separé“, denn man hätte den Raum mit der Falttür zumachen können. Leider ist hier kein einziges Möbelstück mehr vorhanden, um Rückschlüsse ziehen zu können. In der oberen Etage sieht es nicht viel anders aus hinsichtlich Inventar. Das kommt mir aber entgegen, denn die Schlichheit der Motive mag ich gern. Was ich nicht so prall finde, ist die spürbare Instablität der Fußböden. Schon die Treppe in den ersten Stock ist kurz vor Wagnis. Eigentlich ist der verlassene Gasthof ziemlich durch. Aber ich bin ja kein Archtitekten-Experte und freue mich einfach über die schönen Motive, die ich machen und mitnehmen konnte. Zum Glück habe ich am Ende keine Insekten mitgenommen.