Der verlassene Gasthof „Reiter“

Der verlassene Gasthof „Reiter“

Ein Besuch im Gasthof Sächsischer Reiter

Da ich ja verlassene Gasthöfe liebe, freute ich mich über diesen Fund. Ich kam nur nicht auf die Idee, dass vielleicht nicht jeder Gasthof auch einen Tanzsaal hat. Also dieser Gasthof hatte keinen Saal, jedenfalls nicht mit Bühne. Wozu allerdings die Deckenkonstruktion in dem einen großem Raum sein sollte, ist mir nicht klar geworden. Wäre darunter eine Theke gewesen, hätte ich den Sinn der Holzüberdachung zwar auch nicht verstanden, aber manchmal sind Dinge ja auch einfach nur Deko. Wenn ich schon keinen Tanzsaal mit Bühne entdecken konnte, so doch ein paar Details, die weitere Fragen aufwarfen: aus was für einem Material ist die Badewanne? Es sieht aus wie Pressholzspäne. Aber sind Badewannen nicht immer aus Metall? Und was ist das für ein braunes Folienzeug, mit dem das Innere der Wanne ausgeklebt ist und das sich scheinbar löst? In einem weiteren Zimmer wundere ich mich über einen Auspuff, eine Klobrille und eine Klobürste, die an die Wand genagelt wurden wie Gemälde. Ist das Kunst? Die verbliebenen Gerippe der Autos im Garten zeugen von einem langen Leerstand dieses alten Gasthofs, da alles dicht zugewachsen ist und die Bäume rund um die Autos auch nicht erst gestern aus dem Boden wuchsen.

Rückblick und aktueller Stand

Strategisch gesehen liegt dieser ehemalige Gasthof eigentlich günstig an einer Kreuzung, sodass ich erwartet hätte, dass sich genug Kundschaft findet, um ihn am Leben zu erhalten. Das war wohl leider in der letzten Zeit nicht der Fall. Genau genommen kamen die letzten Gäste vor über 30 Jahren in den ehemaligen Gasthof Sächsischer Reiter, wie er eigentlich heißt. Seit 1821 ist er nachweislich existent. Bis 1992 wurde er noch als Restaurant geführt. Betreiber war die Konsum-Genossenschaft der DDR. Nach ihrer Auflösung fand sich kein Interessent, der den Jahrhunderte alten Gasthof dauerhaft übernehmen wollte. Satt dessen wechselten die Besitzer mehrfach. Seine Lage kam ihm trotz Leerstand insofern zugute, dass man ihn unter Denkmalschutz setzte, da er an einer alten Handelsstraße liegt und damit kulturhistorisch Bedeutung hat. Nicht zugute kam dem alten Gasthof der Erwerb durch einen Inverstor, der die Immobilie nach meinem Empfinden nicht instand hält. Dagegen beurteilt die Denkmalschutzbehörde des Landkreises Bautzen die Substanz des Gasthofs als erhaltungsfähig. Ich hege Zweifel, dass sich die Denkmalschutzbehörde den Gasthof von innen angesehen und die Instandhaltungspflicht des Eigentümers geprüft hat. Aber eigentlich interessiert es mich dann auch zu wenig.