
Der verlassene Gasthof mit Ballsaal „Zündapp“
Im Ballsaal von diesem verlassenen Gasthof steht noch eine alte Zündapp
Dieser verlassene Gasthof mit Ballsaal steht bereist seit über 15 Jahren leer und wird sich selbst überlassen. Zumindest dachte ich das. Der Leerstand des alten Gasthofs stimmt auf jeden Fall, das mit dem „sich-selbst-überlassen“ nur so halb. Aber so ganz genau weiß ich es bis heute nicht. Zumindest wird die alte Zündapp, die bei meinem Besuch im alten Ballsaal dieses ebenso alten wie verlassenen Gasthofs stand, nicht sich selbst überlassen. Aber das wußte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.
Es ist sehr stürmisch heute, aber das kommt mir zugute. Wenn das Wetter nicht gut ist, sind wenig Leute draußen. Und starker Wind überdeckt meine Geräusche – wenn ich denn welche mache, was ich so gut wie nie mache. Der verlassene Tallsaal beeindruckt mich sofort, als ich hinein komme. Alles wirkt in sehr gutem Zustand. Ich kann keine Feuchtigkeitsschäden oder andere Spuren von Verfall enrkennen. Nicht einmal ansatzweise Flecken an der Decke oder in irgendeiner Ecke. Ich schaue mich weiter um. „Eine alte Zündapp – ich werd‘ verrückt!“ Ich habe schon öfter erlebt, dass die Tanzsäle vollgerümpelt werden mit dem kompletten Inventar eines verlassenen Gasthofs, aber ein Mopet?! Nun denn. Erstmal weiter gucken. Oben neben der Bühne entdecke ich eine Art kleine Bar mit witzigen kleinen kugeligen Lampen, die ich den 1970gern zuordnen würde. Ansonsten gibt es keine Utensilien mehr. Es gibt in diesem verlassenen Gasthof leider nicht viel, dass Hinweise geben würde, in welchen Jahren er noch genutzt und wann geschlossen wurde. Bevor ich den alten Gasthof weiter erkunde, starte mit meinen Fotos im verlassenen Banzsaal. Auf dem Weg in den Wohntrakt sehe ich jede Menge Werkzeug, Gerümpel und sonstige unerklärliche Teile. „Sieht ja aus wie in einer Werkstatt“, denke ich, „komisch“. Auf leisen Sohlen gehe ich die Treppe zu den Zimmern hoch. Ein leerer Raum, eine halb verwaiste Küche, und „was is’n hinter dieser Tür?“ Ich lausche. Nix zu hören. Ich gucke durch das Schlüsselloch: nix zu sehen. „Büro“ steht draussen dran. „Ach komm, hier is eh alles leer“, denke ich lustlos und öffne die Tür. Erschrocken haben wir uns beide: ich und der alte Typ, der da saß und gerade an irgendeinem Teil herumfrickelte. „Oh“, sage ich, „ich wußte nicht, dass hier jemand wohnt.“ Er: „Und was machen Sie hier?“ Ehrlichkeit währt am besten: „Ich habe den schönen Saal fotografiert.“ Er steht auf und kommt auf mich zu. Ich kann nicht einordnen, ob er gleich meckert und ob er hier überhaupt legal wohnt. Sein Äußeres sieht nicht besonders gepflegt aus. In mir keimt der Verdacht, dass er sich hier „einquartiert“ hat, also bleibe ich gelassen und gebe mich interessiert. „Der Gasthof sieht ja topp aus, pflegen Sie den?“ Freundlich und bereitwillig zeigt er mir die Türrahmen, die er abgeschliffen und neu gestrichen hat und erzählt auch, dass er an Mopets wie das im Hof bastelt. Und dann erzählt er plötzlich, dass er ein Buch geschrieben hat, fragt, ob ich es ihm abkaufen wolle, und holt ein dickes Manuskript. „Äh, was…?!? Ja, äh, also, ach, äh nee…“, wimmele ich ab. Draussen plaudern wir noch ein wenig, bevor ich abrausche. Das war die seltsamste Begegnung, die ich je hatte.








