Der verlassene Gasthof mit Ballsaal „Tonic“

Der verlassene Gasthof mit Ballsaal „Tonic“

In diesem verlassenen Gasthof gibt es auffällig viele Tonic-Flaschen, von denen er seinen Urbex-Namen hat.

Das ganze Jahr habe ich auf einen schönen Sommer gehofft, der nicht so richtig kommen wollte – dafür nun im Urlaub umso knackiger. Ausgerechnet. Die Sonne kachelt mit knapp 30°C auf mich nieder. Auf der Fahrt zu diesem verlassenen Gsthof mit Ballsaal brüte ich in meinem Auto wie in einer Sauna. Als ich in das Örtchen komme, ist nicht viel los auf den Straßen. Um genau zu sein ist niemand zu sehen. Viele Rolläden sind herunter gelassen. Um die Ecke des verlassenen Gasthofs parke ich so weit es geht unter einem Baum. Ich überlege, ob ich das Auto mit der „Schnauze“ oder dem Heck in das kleine Fleckchen Schatten stellen soll – nehme ich also einen kochenden Motor in Kauf oder brutwarmes Trinkwasser? Ich entscheide mich dafür, meine Wasserflaschen zu schützen, um wenigsten eine geringe Chance auf Abkühlung für meinen Kreislauf zu halten. Ich steige aus und lausche. Totenstille. Nun denn.

Der Zugang zum verlassenen Gasthof geht nur über den Hof. Der ist komplett 1m hoch zugehäuft mit hohen Baumresten, Ästen und Gestrüpp. Es gibt keinen Trampelpfad. Das heißt, ich muss im Storchengang zum Fenster gelangen. Ich starte die ersten Schritte, indem ich Lücken in dem Geäst suche. Dennoch kann ich rascheln, knacken und knirschen nicht vermeiden. Ich halte inne und lausche wieder. Grabesstille. Oh mann, es zwitschen noch nicht einmal Vögel! Kann echt nicht wahr sein. Ich bemühe mich, im Zeitlupentempo möglichst wenig Geräusche zu machen und dabei die Balance zu halten. „Ein bisschen wie im Witzfilm“, denke ich, und komme mir kurz etwas doof vor. Aber was willst’e machen. Mit etwas angestrengten Wadenmuskeln erreiche ich irgendwann endlich den alten Gasthof.

Zu meiner Freude sind im Keller noch viele Übrigbleibsel: Einweggläser mit undefinierbarem Inhalt und weitere Lebensmittel. Die Frage, warum so etwas zurückgelassen wird, stelle ich mir nach all meinen Erfahrungen nicht mehr. Witzig bei diesem Besuch aber fand ich die vielen Tonic- und Saft-Flaschen. Und keine Bierflaschen. Ich hätte gern von den Säften getrunken, denn mein Durst war groß genug. Aber die schwimmenden Substanzen ermahnten mich an die abgelaufene Haltbarkeit. Ebenfalls etwas verwundert war ich, dass ich keine Gästezimmer ausmachen konnte. Vielleicht gab es dennoch welche, nur ohne Möbel. Also damals natürlich mit Mobiliar, nur jetzt nicht mehr. Nicht so schlimm, dieser verlassene Gasthof mit Tanzsaal war auch so den Besuch wert.