Erich’s Lampenladen

Erichs “Lampenladen” Palast der Republik sieht düster aus

Ich habe leider nur mein Handy dabei, ein Motorola Razr V2, das ich echt klasse cool finde, aber die Fotoqualität war zu der Zeit einfach unter ferner liefen. Das heißt, zu dieser Zeit, also 2007, war die Technik natürlich state of the art. Jedenfalls, passend zu dem kläglichen Bild der Abrissarbeiten war mir nichts anderes zur Hand. Das heruntergeschälte Betonklötzchen hätte eh kein Foto mehr zum erstrahlen gebracht.

Geschichtlicher Hintergrund und Mythos Lampenladen

Der durch Bomben beschädigte Sitz preußischer Hohenzollern-Könige, das Berliner Stadt-Schloss, wurde 1950 auf Anweisung von Walter Ulbricht gesprengt. Herr Ulbricht brauchte Patz für Aufmärsche. Da es aber nicht alle Augenblicke etwas zum Aufmarschieren gab, lief die Größendemonstration der DDR-Führung ins Leere. Lange Zeit herrschte vorerst eine weite, karge Ödnis auf dem Felde. Ein Bauprojekt mußte her, um die Nichtsnutzigkeit der Fläche zu bedecken. Ideen wurden eingereicht, die Kosten allerdings passten der Parteiobrigkeit in keinem der Fälle. Erst die städtebauliche Gestaltungsbrillianz des Herrn Ulbricht brachte den planwirtschaftlichen Gedankenblitz, die Fläche erstmal mit einen Fernsehturm zu füllen, nachfolgend einen sozialistischen Prachtbau für die Volkskammer. Der Fernsehturm hatte Ende 1964 Baustart und war im Oktober 1969 betriebfertig. Wie ein Spargel stach er in der freien Wüstenlandschaft einsam und verlassen in die Höhe. Der Bau des Volkskammer-Palastes kam nicht in die Pötte und überging Ulbrichts Amtszeit. Sein Nachfolger Erich Honecker zog den Protzbau unter anderen Gesichtspunkten hoch. In Gedanken bei seinen Bürgern der DDR strebte er in freundschaftlicher Volksverbundenheit eine Doppelnutzung an. Zum einen sollte in der neuen sozialistischen Errungenschaft eine Tagungsstätte der DDR-Parlaments-Abgeordneten entstehen, gleichzeitig sollte Raum für Frohsinn und Volksvergnügen eingebracht werden. Am 23. April 1976 war das Glanzstück dann vorzeigefertig. Im zweistöckigen Foyer mit den exorbitante Ausmaßen von 86 Meter Länge und 42 Meter Breite konnte unter 10.000 Kugellampen Walzer getanzt werden. Daher gaben die Berliner dem Gebäude auch den spöttischen Beinamen “Erichs Lampenladen”. Aber der Baukomplex strotzte nur so vor Gigantismus: im Foyer gab es schwenkbare Parketteile, eine Außenterasse, mehrere Bars, Cafés und Restaurants, welche pro Stunde mit bis zu 1800 Menüs bedient werden konnten. Insgesamt bot er Platz für 1500 Gäste. Im vierten Stockwerk gab es ein Theater (“Theater im Palast”, TiP). Im Untergeschoss gab es eine Bowlingbahn und im Tiefgeschoss, 35 Meter unter der Erde, war das Getränkelager, das permanent aufgefüllt wurde.

Da das Gebäude aus Stahlstreben bestand, wurde zum Feuerschutz eine Ummantelung aus Asbest in Verbindung mit Kunststoffweichmachern eingesetzt. Diese Kunststoffschicht löste sich allerdings mit der Zeit auf, wodurch Fasern der Asbestplatten freigesetzt wurden, die schließlich eine gesundheitschädliche Dosis erreichten. 1990 musste der Palast der Republik deshalb geschlossen werden. Skurillerweise feierten die DDR-Staatsführer noch am 7. Oktober 1989 im “Großen Saal” unbeeindruckt den 40. Geburtstag der DDR.

Informationen rund um den Palast der Republik kann man hier lesen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Palast_der_Republik

https://www.berlin.de/tourismus/insidertipps/1727324-2339440-palast-der-republik-untergegangen-in-rui.html

https://www.mdr.de/zeitreise/ddr/palast-der-republik-ddr100.html

https://www.bundestag.de/parlament/geschichte/schauplaetze/palast

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